Do’s & Dont’s: Straßenumfragen

von Irina Müller

 

„Entschuldigen Sie, darf ich Sie kurz aufhalten?“ – „Nein!“, schnaubt mir eine Frau älteren Alters in schwarzem Mantel entgegen und läuft, ohne mich eines Blickes zu würdigen, schnurstracks weiter. „Na gut, dann nicht“, denk ich mir und suche schon meinen nächsten Kandidaten.

Unzählige Male wurde ich von Redaktionen als Nervensäge eingesetzt, die Passanten überfallen hat, mit Fragen wie: „Was halten Sie von … ?“, „Was wissen Sie über …“ und so weiter. Die Reaktionen der Befragten reichen von ignorieren, über freundliches Anlächeln und Vorbeilaufen bis hin zu euphorischem Beantworten der Fragen. Doch ungeachtet dessen, wie die Reaktionen auf den Interviewer einwirken, letzten Endes zählt das Ergebnis: Im besten Fall eine unterhaltsame, informative und interessante Umfrage.

Je nach Nutzen gibt es verschiedene Umfragetypen: Persönliche Umfragen, Online- oder Telefonumfragen. Für einen unserer Kunden wollten wir mal wieder ein Stimmungsbild einfangen und befragten die Hamburger vor ein paar Tagen auf dem Rathausplatz. Super Wetter, gute Laune: Was kann da noch schiefgehen? Nix! Sagen wir, mit den folgenden sechs Tipps für eine gut gelingende Umfrage (auch Vox-Pops genannt):

1. Bevor die Umfrage gestartet wird, sollte klar sein, was man damit erreichen, wen man ansprechen möchte (Ziel und Zielgruppe definieren).

2. Die Fragen notieren, in eine sinnvolle Reihenfolge bringen (eine Frage leitet in die andere über) und so formulieren (offene Fragen), dass der Befragte möglichst viel dazu sagen kann.

3. Aufgeschlossen und selbstbewusst auftreten und die Leute lächelnd ansprechen.

4. Einsteigen mit „Verzeihung/Entschuldigung, darf ich Sie kurz stören?“ Ohne die Antwort abzuwarten (die Frage dient eher als Höflichkeitsfloskel) gleich sagen, worum es geht, z.B.: „Demnächst soll der Hauptbahnhof neu umgebaut werden. Nun befragen wir hier Passanten, was sie davon halten, was es der Stadt bringt usw. Hätten Sie kurz Zeit und Lust uns dabei zu unterstützen?“

5. Nach Ablehnungen nicht aufgeben oder sich demotivieren lassen. Es finden sich immer Leute, die bereit sind, bei einer Befragung mitzumachen. Es gibt immer mehr „Ja“-Sager als „Nein“-Sager.

Ein absolutes No-Go bei Umfragen:

6. Sarkastisches oder ironisches Hinterherrufen bei Leuten, die sich nicht an der Umfrage beteiligen möchten! Derjenige wirkt nicht nur unflätig und unverschämt, sondern repräsentiert als eine Art Markenbotschafter das Unternehmen in einer negativen Art und Weise.

Noch ein paar wichtige Infos zur Auswertung einer Straßenumfrage: Solche Umfragen sind natürlich nicht repräsentativ! Man erfährt dadurch nur die Meinung der wenigen Befragten. Auch fallen Umfragen in Großstädten wie Hamburg oder Berlin anders aus als in Kleinstädten und Dörfern. Daher können Antworten, die in einer Stadt eingefangen wurden nicht verallgemeinert und ganz Deutschland übertragen werden.

Straßenumfragen sollten kurz, knackig und auf das wichtigste und interessanteste reduziert sein. Na dann viel Erfolg und gutes Gelingen!