Crowdsourcing: ein Geschäftsmodell der Zukunft?

von Katherina Vetter

 

Offenheit, Innovation, Interaktion und Dialog – der Wunsch, vom reinen Konsumenten zum Mitschöpfer und Entscheidungsträger zu werden, prägt die neue Generation. Unternehmen orientieren sich hierfür an Themen wie interaktiven Wertschöpfungsprozessen, Open Innovation, Open Source oder Crowdsourcing.

Was ist Crowdsourcing? Erfinder des Neologismus ist Jeff Howe, der diese Wortschöpfung im Jahr 2006 zum ersten Mal verwendete. Die Idee dahinter: die aktive Integration von Konsumenten in den Wertschöpfungsprozess. Seit 2010 erfreut sich das Modell stetig wachsender Beliebtheit – ob Görtz, Tchibo oder Starbucks (http://mystarbucksidea.force.com/ideaHome), immer mehr Unternehmen setzen auf die „Intelligenz der Masse“ und lagern vor allem kreative Prozesse auf die Internetnutzer aus.

Verschiedene Marktstudien belegen, dass viele Nutzer und Konsumenten bei Unternehmen echte Kommunikations- und Mitmach-Angebote vermissen – sie bieten zu selten Anreize für Aktivitäten an. Zu dieser Erkenntnis kamen auch Sebastian Vetter und Roger Schlecht und gründeten im Februar 2012 Evotum (www.evotum.com), ein Abstimmungsportal für Lifestyle-Themen in den Rubriken Music, Fashion, Food, Movie, Technology, Games & Culture.

Das Konzept ist einfach: Nach einer kostenlosen Registrierung hat der User die Möglichkeit, ein elektronisches Votum abzugeben. Auf diese Weise erfolgt z. B. der Einfluss auf neue Kollektionen von bekannten Fashion-Labels oder die Mitbestimmung, welches Stück der Kollektion zu einem Vorzugspreis erworben werden kann sowie über Rahmenbedingungen wie Künstler, DJs und Venue von Events. Die Kenntnisnahme von Kundenwünschen steht im Mittelpunkt des Konzeptes. Nach den Umfragen und Votingphasen werden die gewählten Produkte als exklusive Angebote für die Mitglieder im eigenen Evotum-Onlinestore zur Verfügung gestellt.

Im Anschluss an das Konzept entstand ein „Back-End“ für die Geschäftspartner – die Entwicklung von Auswertungsmodellen, mit denen Partner hilfreiche Einblicke in ihre bestehende Zielgruppe und alle potentiellen Neukunden bekommen. Das Ziel der beiden Gründer: Evotum als eine globale Marke für interaktive Kundenintegration zu stabilisieren. Die Chancen stehen gut. Die Resonanzen auf User- als auch auf Partnerseite sind nach Aussage von Roger Schlecht sehr positiv.

Obwohl die crowd-basierenden Konzepte in Deutschland noch nicht so verbreitet sind, könnte in Zukunft die Integration von Energie und Ideenreichtum der Masse im Netz fortan zur alltäglichen Geschäftspraxis gehören, vor allem in der Kommunikationsbranche. Verschiedene Marktforschungen und Studien belegen bereits diese Theorie.